Wer heute den US Highway 192 bei Kissimmee entlangfährt, erlebt einen seltenen Moment: Die massiven Betonstrukturen des ehemaligen Orlando Sun Resorts verschwinden Stück für Stück unter den Baggern. Über ein Jahrzehnt lang war das mehr als 30 Hektar große Areal ein sichtbares Zeichen des Stillstands – an einer der wichtigsten Verkehrsachsen Zentralfloridas.
Nun beginnt an genau dieser Stelle ein neues Kapitel. Mit Ovation Orlando entsteht eines der größten Stadtentwicklungsprojekte der Region – ein Vorhaben, das weit über ein klassisches Einkaufs- und Freizeitangebot hinausgeht.
Der Vergleich mit Projekten wie dem Sunset Walk zeigt, wohin die Entwicklung entlang der 192 bereits weist. Doch Ovation Orlando geht einen Schritt weiter: Hier entsteht nicht nur ein weiteres Projekt aus Gastronomie, Einzelhandel und Unterhaltung, sondern eines, das in dieser Hinsicht wegweisend für die ganze Gegend sein will.
Ein Erbe aus der goldenen Ära: Vom Hyatt zum Geisterhotel
Wer verstehen will, was Ovation Orlando werden soll, muss einen Blick auf das werfen, was lange an dieser Stelle in Florida stand. Das 1972 eröffnete Hyatt Orlando Resort war ein Produkt des ersten großen Disney-Booms – gebaut für eine Generation von Reisenden, die die Nähe zu Walt Disney World suchten, ohne sich vollständig in der Disney Bubble aufhalten zu wollen.
Mit über 900 Zimmern, einem Kongresszentrum von rund 6.000 Quadratmetern und mehreren Poolanlagen gehörte das Resort zu den prägenden Anlagen seiner Zeit. Es spiegelte den Aufbruch einer Region wider, die sich gerade erst als internationales Reiseziel etablierte. Zugleich bot es eine Alternative zur wachsenden Welt von Walt Disney World: nah genug, um Teil des Geschehens zu sein, und doch eigenständig genug, um einen Aufenthalt jenseits der Themenparks zu ermöglichen. Dieses Konzept sprach sowohl Familien als auch Geschäftsreisende an.
Werbevideo des Orlando Sun Resorts aus seiner Hochphase
Der schleichende Verfall
Doch während sich die Region weiterentwickelte, verharrte das Resort im Stillstand. Ab den 2000er-Jahren verlor es zunehmend an Bedeutung. Während Walt Disney World seine Hotellandschaft systematisch ausbaute und modernisierte, wie auch Mitbewerber der Umgebung, blieb das Orlando Sun Resort – so der spätere Name – hinter dieser Entwicklung zurück und in seiner Gründungszeit stecken.
2012 folgte schließlich die Schließung. Was blieb, war ein Gelände, das über Jahre sich selbst überlassen blieb. Tennisplätze verwilderten, Fassaden verfielen, Graffiti überzogen die Gebäude. Das Areal wurde zum sichtbaren Ausdruck eines Standorts, der den Anschluss an eine stetig moderner werdene Region verloren hatte.
Wer in den vergangenen Jahren die Kreuzung von US 192 und Interstate 4 passierte, konnte einen Blick auf das weitläufige Gelände werfen – und den Verfall mit eigenen Augen beobachten. Schilder mit der Aufschrift „Keep Out“ und „No Trespassing“ säumten den Zaun rund um das Areal, konnten jedoch kaum verhindern, dass sich immer wieder Menschen Zutritt verschafften. Zerbrochene Fensterscheiben, aus den Zimmern geworfenes Mobiliar und wachsende Müllberge erzählten eine andere Geschichte.
Mit dem Verkauf des Geländes für über 70 Millionen US-Dollar – und der damit verbundenen Entwicklung von Ovation Orlando –endet diese Phase. Nach Jahren des Verfalls beginnt hier erstmals wieder eine Entwicklung, die dem Standort eine neue Perspektive eröffnet.
Das Orlando Sun Resort als Lost Place
Die Dimension von Ovation Orlando
Das geplante Projekt, dessen Eröffnung für das Jahr 2027 vorgesehen ist, markiert einen deutlichen Bruch mit dem, was an dieser Stelle zuvor existierte. Während das frühere Resort im Kern nur ein sehr großes Hotel war, ist Ovation Orlando als offen zugängliches, fußgängerfreundliches Zentrum angelegt.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht mehr eine Hotelanlage, sondern eine gemischte Nutzung aus Einzelhandel, Gastronomie, Unterhaltung, aber auch mehreren Hotels. Statt eines abgeschlossenen Areals entsteht ein Ort, der darauf ausgelegt ist, Menschen gezielt anzuziehen und sie über den gesamten Tag hinweg vor Ort zu halten.
Ovation Orlando orientiert sich damit an Konzepten wie dem des nahegelenen Old Town Kissimmee oder dem Sunset Walk, geht in seiner Dimension jedoch deutlich über diese hinaus.
Ein Blick auf die zentralen Eckdaten zeigt, welche Größenordnung hier geplant ist:
Die wichtigsten Fakten zu Ovation Orlando
- Gesamtfläche: Rund 32 Hektar
- Nutzfläche: Geplant sind zwischen 60.000 und 75.000 Quadratmeter für Einzelhandel, Gastronomie und Entertainment – etwa die Hälfte der Fläche der The Florida Mall.
- Struktur: Fünf thematische Distrikte, darunter Water’s Edge rund um einen künstlichen See sowie Indulgence als Bereich für gehobenes Shopping.
- Hotellerie: Drei Hotels mit insgesamt bis zu 740 Zimmern und Apartments.
Die Bereiche für Ovation Orlando
Der Celebration District soll das Herzstück des Projekts werden. Er ist als Einkaufs- und Gastronomieviertel geplant, mit einer besonderen Attraktion als Mittelpunkt. Offene Grünflächen bieten Platz für Pop-up-Events und Live-Musik. Der Name erinnert an die Nachbarn in Celebration.
The Water’s Edge ist rund um einen 1,2 Hektar großen See angelegt, an dessen Ufer mehrere Restaurants entstehen. In diesem Teil von Kissimmee gibt es bisher kaum hochwertige Restaurants am Wasser. Wer gut essen und dabei die Aussicht genießen will, muss meist nach Disney Springs oder ins Zentrum von Orlando fahren. Es wäre ein echter Gewinn, solche Restaurants direkt an der Kreuzung von 192 und I-4 zu haben.
The Indulgence ist der gehobene Teil des Projekts. Hier entstehen exklusive Geschäfte und Dienstleistungen, im Mittelpunkt steht ein Vier-Sterne-Hotel mit vollem Serviceangebot. Damit will Ovation Orlando zeigen, dass es mehr zu bieten hat als die günstigen Angebote in der Umgebung.
The Street bringt die Energie des Times Square nach Ovation Orlando und soll das urbane Zentrum des Projekts werden. Hier soll der Vibe der Lichter, der lebendigen Geschäfte einer echten Großstadt entstehen. Auch wenn Times Square vor allem für Touristen bekannt ist, könnte die Mischung aus Einzelhandel und Unterhaltung genau das Thema eines städtischen Zentrums schaffen, die im Osceola County bisher fehlt.
The Beat ist das Zentrum für Nachtleben im Projekt. Hier entstehen Themenclubs, Musikbars und trendige Restaurants. Wer in der Gegend wohnt, hat bisher meist nur Hotelbars oder muss für einen Abend auswärts 20 Minuten fahren. Wenn The Beat eine echte Musikszene aufbauen kann, könnte das Kissimmee neues Leben einhauchen.

Ovation Orlando vs Sunset Walk
Nur wenige Kilometer westlich liegt der Sunset Walk, ein Projekt, das bereits gezeigt hat, welches Potenzial in der Region steckt. Dieser Teil des Margaritaville Resorts gilt als Blaupause für das, was Ovation erreichen will. Der Sunset Walk hat bewiesen, dass die 192 mehr sein kann als eine Verkehrsader. Ovation Orlando stellt nun die nächste Frage: Kann hier ein echter urbaner Raum entstehen – nicht nur für Besucher, sondern für eine Region, die längst über sich hinausgewachsen ist?
Ein direkter Vergleich der Zahlen zeigt, dass Ovation in einer völlig anderen Liga spielt und deutlich mehr will.
Denn so erfolgreich der Sunset Walk ist, so klar sind auch seine Grenzen. Er bleibt Teil eines Resorts, geprägt von Urlaubsstimmung und überschaubar in seiner Dimension – ein Ort, der vor allem am Abend und an Wochenenden auflebt, während ihm tagsüber meist spürbar die Dynamik fehlt.
Ovation Orlando denkt größer – und vor allem anders
Der Erfolg des Sunset Walk ist kein Zufall. Getragen von den umliegenden Hotels, regelmäßigen Events, wie seiner Car Show „Show Car Saturday Nights“, und einem konstanten Besucherstrom hat er gezeigt, dass das Konzept des „Retail-tainment“ entlang der 192 funktioniert.
Doch genau hier setzt Ovation Orlando an – und will neue Maßstäbe setzen.
Mit einer deutlich größeren Fläche richtet sich das Projekt nicht mehr nur an Gäste der unmittelbaren Umgebung, sondern an die gesamte Region. Es geht nicht mehr nur darum, Aufenthaltsqualität zu schaffen, sondern ein Ziel zu etablieren, das bewusst angesteuert wird – unabhängig von den umliegenden Resorts.
Während der Sunset Walk vor allem ein Ort für entspannte Abende bleibt, setzt Ovation auf eine dichtere Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie und Nachtleben – und damit auf eine Atmosphäre, die sich stärker an urbanen Zentren orientiert als an klassischen Resortstrukturen.
| Merkmal | Sunset Walk (Bestand) | Ovation Orlando (Geplant) |
| Einzelhandelsfläche | ca. 19.000 m2 | bis zu 75.000 m2 |
| Hotels | 1 Haupt-Hotel + Cottages | 3 verschiedene Hotels |
| Konzept | Tropisches „Island-Feeling“ | Urbanes Lifestyle- & Musik-Thema |
| Parkmöglichkeiten | Parkhäuser / Oberflächenparken | Integriertes fußgängerfreundliches Design |
Marktchancen: Die Zahlen sprechen für Ovation
Die Frage, ob der Markt gesättigt ist, stellt sich in Orlando derzeit kaum. Seit Jahren verzeichnet die Metropolregion ein starkes Wachstum. Ein Abflauen dieses Trends ist nicht in Sicht. Etliche Daten zeigen dies deutlich:
- Besucherströme: Orlando begrüßte zuletzt über 75 Millionen Besucher pro Jahr. Die Nachfrage nach Erlebnissen abseits der klassischen Themenparks wächst jährlich um etwa 2,3 %.
- Bevölkerungswachstum: Mit einem Zuwachs von rund 1.500 Bewohnern pro Woche gehört die Metropolregion Orlando zu den am schnellsten wachsenden Gebieten der USA.
- Kaufkraft: Das Projekt liegt direkt im Einzugsbereich von Celebration, einer der kaufkräftigsten Gemeinden der Region.
Diese Entwicklung verändert auch die Erwartungen. Orlando ist längst nicht mehr nur Ziel für die klassische Urlaubsreise, sondern Heimat für Millionen ständig in der Region lebende Menschen. Mit der steigenden Bevölkerung wächst auch der Anspruch an Angebote, die über den touristischen Alltag hinausgehen – und stärker auf Freizeit, Gastronomie und Unterhaltung im täglichen Leben ausgerichtet sind.
Hinzu kommt die strategische Lage. Durch diese Lage an der Kreuzung I-4/192 fängt Ovation den Verkehr ab, der von den Flughäfen und den südlichen Küstenstädten Richtung Disney strömt – im Prinzip eine ähnliche Lage wie die, die schon Walt Disney als ideal für den Bau seines Florida Projects ansah. Die Kombination aus Gastronomie am Wasser (Water’s Edge) und einem Fokus auf Nachtleben und Live-Musik füllt eine Marktlücke, die selbst Disney Springs in Ermangelung echter Clubs und erwachsenem Entertainment nicht vollends abdeckt.
Ovation will, unter anderem, auch genau diese Lücke füllen.
Ein neuer Rhythmus für Kissimmee
Der nun endlich stattfindende Abriss des Orlando Sun Resorts ist die notwendige Bereinigung eines überfälligen Standorts. Wo früher 900 Zimmer im Schatten der Vergangenheit standen, entsteht nun eine Infrastruktur, die vielen Besuchern jährlich zusätzliche Gründe geben wird, in Kissimmee zu verweilen und der regionalen Bevölkerung eine neue Anlaufstelle bieten soll.
Wo lange Stillstand herrschte, entsteht nun ein Ort, der nicht nur Durchgangsstation ist, sondern bewusst angesteuert werden soll. Ein Projekt, das darauf abzielt, die Dynamik des Wachstums aufzunehmen – und sich stärker als eigenständiges Ziel für Freizeit, Gastronomie und Unterhaltung zu positionieren.
Ein Blick nach vorn
Der Zeitplan ist ambitioniert, der Ausgang offen, zu viele Projekte dieser Größenordnung sind in der Region auch schon an ihren eigenen Ambitionen gescheitert. Der Abriss ist in vollem Gange, die Transformation muss aber erst noch erfolgen.
Noch ist Ovation Orlando ein Projekt auf dem Reißbrett, dessen Erfolg sich erst beweisen muss. Doch die Pläne zeigen, welche Dimension hier angestrebt wird.
Entscheidend ist dabei weniger, ob Ovation Orlando bereits 2027 eröffnet. Entscheidend ist, dass hier ein Versuch beginnt, die 192, bisher vielfach geprägt von einfachen Motels, Strip Malls und plakativ gestalteten Souvenirläden, neu zu definieren – nicht mehr nur als Verbindung zwischen Orten, sondern als Ort selbst.

Torsten von OrlandoParks
Meine Begeisterung für Disney und die Disney Parks reicht bis in meine Kindheit zurück. Viele Jahre blieb es bei dieser Faszination, bevor sich später die Möglichkeit ergab, die Parks in Florida selbst zu erleben. Seitdem zieht es mich regelmäßig zurück nach Orlando und besonders nach Walt Disney World.
Über die Zeit ist aus dieser Leidenschaft deutlich mehr geworden: intensive Planung, unzählige Aufenthalte und ein immer größeres Interesse an den Details, Hintergründen und Entwicklungen der Parks. Ich liebe es, mich mit Geschichte, Konzepten und Veränderungen auseinanderzusetzen und dabei immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Gleichzeitig gehört für mich auch dazu, genau hinzuschauen und Dinge ehrlich einzuordnen – auch dann, wenn nicht alles perfekt läuft.
Auch wenn Walt Disney World für mich im Mittelpunkt steht, gehören für mich die anderen Freizeitparks in Orlando genauso dazu. Auf OrlandoParks.de teile ich meine Erfahrungen, mein Wissen und meine Einschätzungen rund um die gesamte Freizeitparkwelt in Florida, damit ihr eure Reise bestmöglich planen und erleben könnt.